A2 Lehner Robold Diplomingenieure Architekten

büro dreieinigkeitskirche regensburg

zustand vor der renovierung

die voruntersuchungen für die innenrenovierung der dreieinigkeitskirche begannen im jahr 2008.

eine bestandsaufnahme ergab ein umfangreiches schadensbild der zuletzt anfang der 1960er jahre renovierten kirche. massive durchfeuchtungen des tonnengewölbes durch das undichte dach hatten zu braunen verfärbungen an putz und stuckrippen geführt.

ein weiteres, offensichtliches problem stellten die seitenemporen dar, deren tragbalken aufgrund von fäulnisschäden statisch zu versagen drohten, weshalb die emporen in den letzten jahren durch abstützungen gesichert werden mussten.

das gestühl und die emporen zeigten sich durch abbeizmaßnahmen und kunstharzanstrich vergraut und verunstaltet. der frühere holzwurmbefall hatte das holz stark geschwächt, so dass die gesamte holzsubstanz aus nadelholz brüchig und durch holzschutzmittel schadstoffbelastet war.

der hochaltar war um 1920 grün gestrichen und in der renovierungsmaßnahme um 1960 wieder abgebeizt worden. hierbei wurde das edle nussbaumfurnier durch scharfes werkzeug zerkratzt und durch ablaugen aufgeraut.

der kalksteinbelag des kirchenbodens wies besonders in den eingangsachsen starke beschädigungen auf, viele platten waren gebrochen oder abgeplatzt und durch salzausblühungen verfärbt.

als "moderne" heizung dienten elektrische heizstrahler, die heute aufgrund der brandgefahr nicht mehr zulässig sind. die nördliche turmstube wurde mit der heizung zur technikzentrale, die heutigen brandschutzbestimmungen nicht genügt, da keine abschottung zur öffentlichen turmbesteigung besteht.

die sakristei zeigte sich in einem stark abgenutzten zustand, zudem wies der schöne raum mit stuckrahmung nur improvisierte einbauten, unzureichende heizung und eine frostgefährdete wasserleitung auf.

renovierungsmaßnahmen

2009 - statik

als erste maßnahme musste die statische stabilisierung der seitenemporen vorgenommen werden.

hierzu bauten restauratoren das gestühl auf den emporen ab und öffneten den boden, damit die tragbalken mit stahlträgern verstärkt und eingemauert werden konnten.

glücklicherweise stellte sich heraus, dass diese maßnahmen bei den beiden westemporen nicht notwendig waren, hier sind die tragbalken unbeschädigt.

2010 - 2012 raumschale

im jahr 2010 wurde der komplette kirchenraum einschließlich hochaltar und kanzel eingerüstet, um alle flächen für befunduntersuchungen und restaurierung zugänglich zu machen.

der erste bauabschnitt umfasste die restaurierung der raumschale (deckengewölbes und wandflächen) durch eine kirchenmalerfirma.

eine seltene besonderheit stellen die "stuck"rippen des tonnengewölbes in chorraum und langhaus dar, da sie aus rupfengewebe bestehen, das mit knochenleim über modeln geformt und an die holzverschalte decke genagelt wurde

mit einem überzug aus kalkschlämme stellte man dann die stuckoptik her. dieser scheinstuck ist statisch begründet, da massiver gipsstuck zu schwer für die dünne holzschale der decke wäre.

restauriert wurden die vielen risse und abplatzungen, sowie die braunen verfärbungen der decke.

für die isolierung dieser verfärbungen, bzw. gegen das „durchschlagen“ mischte der kirchenmaler dem kalkanstrich frischen kuhdung bei. dies ist ein altes, erprobtes hausmittel der restauratoren für dieses problem und ersetzt moderne, chemische zusätze.

an der nordwestecke der decke ist eine befundstelle des vorzustandes zu sehen.

2011 - 2013 restaurierung holzsichtige ausstattung - gestühl

nach abrüsten des kirchenraums konnte das gestühl in angriff genommen werden, was sich als zeitmäßig aufwändigste maßnahme herausstellte.

allein die voruntersuchungen und die entwicklung einer optimalen rezeptur für die schonende holzreinigung und gleichzeitige dekontaminierung von schadstoffen dauerte 15 monate.

einbezogen in diese vorbereitung und planung waren die fachstellen des landesamts für denkmalpflege, restauratoren, chemiker, labore, arbeitsschutz, umweltamt, gewerbeaufsichtsamt, bauherr und bauleitung, um alle abwägungen, auch im zusammenhang mit den hier entstehenden hohen kosten zu treffen.

der vorlauf für die schreinermäßigen arbeiten, wie reparatur, ergänzung, festigung und verstärkung der holzsubstanz am gestühl war dem stark gebrauchten zustand entsprechend hoch.

die holzrestaurierung wurde in 7 bauabschnitte bzw. aufträge aufgeteilt, so daß mehrere firmen gleichzeitig an der holzsichtigen ausstattung arbeiten konnten.

erwähnt sei die historische rezeptur der oberflächenbeschichtung: hier wurde dem öl-harzlack als farbpigment sog. "bister" beigemischt, winzige rußpartikel aus verbranntem buchenholz. diese selten verwendeten pigmente stellte ein fachhandel extra für die dreieinigkeitskirche her; der verbrauch für die gesamten holzflächen in der kirche beträgt ca. 300 g.

2009 - 2013 technik

die dreieinigkeitskirche erhielt eine aufwendige, technische elektroausstattung, da die kirche auch als konzertkirche genutzt werden wird. nicht nur die neue sitzheizung (800 sitze sind beheizt), sondern auch modernste lichttechnik, lautsprecheranlage und brandschutzmaßnahmen stellen hohe anforderungen an den installationsbedarf.

diese arbeiten mussten jeweils eng auf verputz- holz- und steinbodenrestaurierung abgestimmt werden, da die leitungen hierzu immer parallel und abschnittsweise zu verlegen und einzubauen waren.

2013 hochaltar und kanzel

an hochaltar und kanzel arbeiteten jeweils 2 gewerke: holzrestaurierung und fassungsrestaurierung.

die nussbaumfurniere des hochaltars wurden vom alten lack befreit, geglättet und gefestigt, geölt und mit naturharzlack nach überlieferter rezeptur glänzend lackiert.

das altar- und das predellabild befanden sich in gutem zustand und wurden, wie auch die sonstigen gold- und farbfassungen am hochaltar und an der kanzel, nur vorsichtig gereinigt und gefestigt.

2013 - 2014 sakristei

die sakristei muss als zentrale in einem wandschrank den großteil der schalt- und verteilertechnik der kirche aufnehmen und erhält eine zeitgemäße ausstattung für ihre sakristeifunktion.

bauherr:
evang.-luth. gesamtkirchenverwaltung, regensburg

fertigstellung: 2014

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